{"id":833,"date":"2017-05-19T23:17:32","date_gmt":"2017-05-19T21:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lavikina.com\/de\/?p=833"},"modified":"2018-03-15T16:19:59","modified_gmt":"2018-03-15T15:19:59","slug":"man-toetet-die-wahrheit-nicht-indem-man-journalisten-toetet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lavikina.com\/de\/2017\/05\/19\/man-toetet-die-wahrheit-nicht-indem-man-journalisten-toetet\/","title":{"rendered":"Man t\u00f6tet die Wahrheit nicht, indem man Journalisten t\u00f6tet"},"content":{"rendered":"<p>Proklamation \u00fcber den Tod des Journalistenkollegen Javier Valdez C\u00e1rdenas<\/p>\n<p>Berlin, Deutschland, 18. Mai 2017<\/p>\n<p>In Mexiko ist es einfach geworden, zu morden. Es ist Gewohnheit geworden, eine Pistole oder ein Messer zu nehmen und die Meinungsverschiedenheit zum Schweigen zu bringen, die anklagenden Stimmen zum Schweigen zu bringen, die nicht einverstanden sind, die kritisch dem System gegen\u00fcber stehen oder die Ver\u00e4nderung wollen.<\/p>\n<p>In Mexiko, bevor den Dialog zu w\u00e4hlen, morden die Narko-Regierung und Personen im Schutz der Anonymit\u00e4t gegen Geld oder sie morden unbehelligt ihre Artgenossen, weil es einfach m\u00f6glich ist, es leicht ist, weil die Staatsgewalt sich von den sogenannten &#8222;unsichtbaren M\u00e4chten&#8220; \u00fcberholt sieht.<\/p>\n<p>In Mexiko gibt es weder lokale, noch staatliche, noch f\u00f6derale Autorit\u00e4ten, die diesen Einhalt gebieten k\u00f6nnten, da sie Teil des gleichen Systems sind, welches zugelassen hat, dass die Straflosigkeit es bis auf das Tiefste durchdrungen hat und welches zugelassen hat, dass Gerechtigkeit eine Utopie ist.<\/p>\n<p>Achtung!<\/p>\n<p>In Mexiko ermorden sie uns!<\/p>\n<p>In Mexiko t\u00f6ten sie, seien es Kinder, Frauen, Familien, M\u00fctter, die ihre Kinder unter Steinen oder in verborgenen Gr\u00e4bern suchen. Sie t\u00f6ten Aktivisten und Journalisten. Sie t\u00f6ten und lassen sowohl Studenten als auch M\u00e4nner und Frauen verschwinden, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.<\/p>\n<p>Achtung!<\/p>\n<p>In Mexiko ermorden sie uns!<\/p>\n<p>Und heute stehen wir hier vor dem Brandenburger Tor, weil am vergangenen 15. Mai 2017 in der Stadt Culiac\u00e1n, Sinaloa, der Journalist und Schriftsteller Javier Valdez C\u00e1rdenas ermordet wurde, Korrespondent der Zeitung La Jornada und Gr\u00fcnder des unabh\u00e4ngigen Mediums R\u00edo Doce.<\/p>\n<p>In seinen Vortr\u00e4gen und Interviews r\u00e4umte Javier Valdez ein, dass die M\u00e4nner und Frauen, die das journalistische Interesse an erste Stelle setzen, einsam sein werden, weil es gef\u00e4hrlich ist, lebendig zu sein. Der Boden in Mexiko ist scharf und voller Sprengstoff und er sch\u00e4mte sich f\u00fcr diese Relit\u00e4t.<\/p>\n<p>Beim Verlassen der Einrichtungen von R\u00edo Doce wurde Javier Valdez C\u00e1rdenas mit Sch\u00fcssen attackiert. Sein Name reiht sich in die Liste der in Mexiko ermordeten Journalisten ein.<\/p>\n<p>Allein in 2017 sind Cecilio Pineda aus Guerrero; Ricardo Monlui aus Veracruz; Filiberto \u00c1lvarez aus Morelos; Maximinio Rodr\u00edguez aus Baja California Sur; und de Miroslava Breach aus Chihuahua gestorben. Das hei\u00dft, alle 22 Tage stirbt ein Journalist in Mexiko.<\/p>\n<p>Javier Valdez war bekannt daf\u00fcr, \u00fcber die Abscheulichkeiten, die das Imperium des Drogenhandels in Sinaloa zugelassen hat, zu berichten; er entbl\u00f6\u00dfte die Allianz, die zwischen diesem Imperium und der Regierung existiert; er enth\u00fcllte die Infiltration der Kommunikationsmedien durch den Drogenhandel und wie die Gewalt des Drogenhandels sich im Land verbreitete.<\/p>\n<p>In Mexiko, seit 2006, als der ehemalige President Felipe Calder\u00f3n den sogenannten &#8222;Krieg gegen den Drogenhandel&#8220; begann, sind 80 Journalisten gestorben, und 32 von ihnen sind unter der aktuellen Regierung von Enrique Pe\u00f1a Nieto gestorben. Das Niveau der Straflosigkeit befindet sich bei 99,7 auf einer Skala von 100. Die Organisation Reporter ohne Grenzen warnt, dass Mexiko weltweit das drittgef\u00e4hrlichste Land f\u00fcr Journalisten und die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung ist.<\/p>\n<p>Obwohl in Mexiko die staatliche Sonderbeh\u00f6rde f\u00fcr die \u00dcberwachung der Delikte gegen die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung existiert, sind die M\u00f6rder der Journalisten ungestraft geblieben. Die Beh\u00f6rden kl\u00e4ren die Motive der Mordtaten nicht auf und man weiss nicht, ob die Todesf\u00e4lle mit der Arbeit der Journalisten in Verbindung stehen.<\/p>\n<p>Auch wenn diese Beh\u00f6rde Listen \u00fcber Drohungen, Entf\u00fchrungen, Folterungen, Hacking, Raub und andere Delikte gegen Journalisten und Journalistinnen f\u00fchrt, ist die Anwendung des Rechts nicht entschieden. Und die Innung der Journalisten bleibt allein, wie es Javier voraussagte. Und warum bleiben sie allein? Weil der Tod bei uns zur Gewohnheit wird, weil die Gesellschaft bereits niemandem mehr vertraut und die Gewalt normal wird.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite bereichern sich die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Medienunternehmen auf Kosten der Arbeit der Journalisten mit der Werbung der Regierung und verletzen ihre Arbeitsrechte: sie zahlen ihnen eine Armseligkeit, sie bieten ihnen weder eine Lebensversicherung, noch bef\u00e4higen sie sie, riskante Situationen zu \u00fcberleben.<\/p>\n<div id=\"attachment_1105\" style=\"width: 649px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1105\" class=\"wp-image-1105\" src=\"https:\/\/www.lavikina.com\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/JavierValdez1.jpg\" alt=\"\" width=\"639\" height=\"426\" \/><p id=\"caption-attachment-1105\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Alex Noppel Brise\u00f1o &#8211; Colectivo 43<\/p><\/div>\n<p>Traurigerweise ruft uns der Tod ein weiteres Mal zusammen und fordert uns dazu auf, unsere Stimme zu erheben. Und aus Deutschland unterst\u00fctzen wir jene Kollegen und Kolleginnen, welche gestern einen Kollektivstreik der Medien bewerkstelligten, jene, welche schwarze Titelseiten druckten und jene, welche gleichwohl arbeitend potestierten. Wir rufen mit ihnen:<\/p>\n<p>&#8222;Presse, nicht schie\u00dfen!&#8220;, &#8222;Kein weiterer mehr!&#8220;, &#8222;Nein zum Schweigen!&#8220;, &#8222;Man t\u00f6tet die Wahrheit nicht, indem man Journalisten t\u00f6tet!&#8220;, &#8222;Sie t\u00f6ten uns!&#8220;<\/p>\n<div class=\"postvideo\">\n<div class=\"video-container\">\n<iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nta5-glBMXM\" frameborder=\"0\" gesture=\"media\" allow=\"encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Proklamation \u00fcber den Tod des Journalistenkollegen Javier Valdez C\u00e1rdenas Berlin, Deutschland, 18. Mai 2017 In Mexiko ist es einfach geworden, zu morden. Es ist Gewohnheit geworden, eine Pistole oder ein Messer zu nehmen und die Meinungsverschiedenheit zum Schweigen zu bringen, die anklagenden Stimmen zum Schweigen zu bringen, die nicht einverstanden sind, die kritisch dem System gegen\u00fcber stehen oder die Ver\u00e4nderung wollen. 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