Einem internationalen Kinofestival beizuwohnen, ist einerseits eine Opportunität und ein Luxus andererseits, den ich mir dieses Jahr, in Berlin lebend, gönnen wollte. Der rote Teppich, die Künstler, die Plakate in der ganzen Stadt und die Nachrichten, welche man in den internationalen Medien liest und sieht, lassen einen wie einen Hauptdarsteller fühlen, ein bisschen wie jenes Gefühl, wenn man einen Film sehen geht. Die Berlinale ist ein Kinofestival unterschiedlicher Wettbewerbe, das, wie der Name andeutet, in Berlin stattfindet. Verschiedene Kinos der Stadt öffnen ihre Türen im Monat Februar, um Werke aus […]
Kimi no Na wa / Your Name (Japan, 2016)
Makoto Shinkai überrascht uns ein weiteres Mal mit einem herrlichen Animationsfilm und erzählt uns die schöne Geschichte von Mitsuha und Taki. Der junge Regisseur aus Japan hat schon in vorhergehenden Arbeiten sein Talent bewiesen, Liebesgeschichten zu erzählen und bei dieser Gelegenheit präsentiert er uns seine Version des gleichnamigen Romans. Während seines Erscheinens im Jahr 2016, hat „Your Name“ großes Erstaunen beim jungen japanischen Publikum ausgelöst. Die Geschichte übernimmt in Teilen die Legende des roten Fadens, welche von zwei Personen handelt, deren Schicksal trotz der gegenseitigen Distanz in Raum und Zeit verbunden ist. Mitsuha, ein Mädchen aus der Provinz, welches davon träumt, in Tokio zu leben, tauscht den eigenen Körper mit Taki, einem jungen Student, der Teilzeit arbeitet und tatsächlich in Tokio lebt.
„Die Fäden repräsentieren den Fluss, der in unserem Inneren existiert. Die Fäden verdrehen sich, wackeln, verwickeln sich, und verbinden sich von neuem… das ist die Zeit.“
Die Realität und die Träume vermischen sich, während Mitsuha und Taki sich kennenlernen, da sie jeweils das Leben des anderen leben müssen. Sie hinterlassen sich Notizen im Handy und sogar auf der Haut. Alles wird zu einer Leinwand, auf der sich die Geschichte malen lässt, die die beiden erschaffen und die existiert, obwohl sie niemals nahe beieinander gewesen sind. „Kimi no Na wa me“, wie der Titel im japanischen Original lautet, erinnert uns an ein berühmtes Zitat des mexikanischen Schriftstellers Octavio Paz: „Die Zeit hört auf, eine Abfolge zu sein und kehrt zu dem zurück, was sie ursprünglich war: eine Gegenwart, in der sich Vergangenheit und Zukunft versöhnen.“
Eine entzückende, überhaupt nicht abstoßende Liebesgeschichte, welche auch die Erinnerung an die Tragödien, welche sich 2011 in Japan ereigneten, aufrechterhält. „Du weißt nicht, wann Tokio sich verwandeln wird“, bestätigt Taki und gibt eventuell einem Gedanken des kollektiven Unbewussten in Japan eine Stimme. Der Film ist wärmstens zu empfehlen: eine exzellente Geschichte, Animation und Reflektion über Raum und Zeit.
(Übersetzung Alexander Hämmerle)
Alle zwei Wochen lässt uns in der Rubrik FOTOGRAMAS die mexikanische Videographin an ihrer großen Leidenschaft – dem Kino – teilhaben und schildert aus der Perspektive des Fachs ihre neuesten Eindrücke aus der internationalen Kinoszene.
Seinto Oniisan / Saint Young Men (Japan, 2013)

Basierend auf dem Manga von Hikaru Nakamura wurde Saint Young Men zuerst in zwei Original Video Animation Serien realisiert (OVA) und anschließend als Kinofilm. Die Geschichte dreht sich um die Ferien von Jesus Christus und Buda, welche Japan als ihren Erholungsort ausgesucht haben und ein Appartement bei einer griesgrämigen Alten mieten. Die illustren Persönlichkeiten verwandeln eine einfache irdische Aktivität in eine totale Odyssee mit komödienhaften Konsequenzen. Bei einem Besuch des öffentlichen Schwimmbads zum Beispiel beabsichtigt Buddha Jesus das Schwimmen beizubringen. Als dieser sich jedoch ins Wasser begibt, teilt er das […]
The Voices (USA, 2014)

Marjane Satrapi führt bei ihrem dritten Film Regie und zum ersten Mal behandelt sie eine Geschichte, die nicht von ihr geschrieben wurde. Erinnern wir uns an „Persepolis“ und „Huhn mit Pflaumen“, die beide auf ihren gleichnamigen Comics beruhen. Die Geschichte handelt von Jerry, einem schüchternen jungen Mann mit bezaubernden Charm, der sich „durch Zufall“ in einen Serienmörder verwandelt. Eine untypische Form, einen Serienmörder zu präsentieren, soweit, dass man Empathie für ihn, sein Erleiden von Psychosen (oder was auch immer der medizinische Ausdruck dafür sei) und sein Widerstreben, aus Angst vor […]


